Komplexität managen mit Design Sprints

Was haben eine Salesforce Implementierung, der Aufenthalt an einem Flughafen, die Bedienung einer Kamera oder das Onboarding neuer Mitarbeiter im Unternehmen gemeinsam? Es sind alles Probleme, die besser definiert und ganz oder in Ansätzen konzeptionell auch gelöst wurden – dank eines Design Sprints.

Design Thinking hat man eventuell schon mal gehört. Es geistert seit ein paar Jahren als Schlagwort auch außerhalb der Innovationsabteilung herum. Es verspricht, bessere Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, in dem man sowohl die technische Machbarkeit, die wirtschaftliche Tragfähigkeit und vor allem die menschlichen Bedürfnisse des Nutzers berücksichtigt. Das Design Thinking ist Haltung und Methode zugleich. Haltung, weil es um Empathie, Positivität, Offenheit und nicht zuletzt auch kreative Zerstörung geht. Methode, weil ihr ein sehr strukturierter Prozess zugrunde liegt.

Der standardisierte Design Thinking Prozess

Der Design Thinking Prozess kann durchaus ein paar Wochen oder Monate dauern. Design Sprints versprechen hingegen den Design Thinking Prozess auf weniger als fünf Tage zu reduzieren. Um weiter in die Unterschiede zwischen Design Thinking und Design Sprints einzutauchen, empfehle ich diesen Blog Post von Jonathan Courtney.

Was ist ein Design Sprint?

Das Format des Design Sprints wurde bei Google Ventures entwickelt. In einem Sprint arbeitet 1 Team für 5 Tage an 1 Problem. Am Tag 5 wird der entwickelte Prototyp von echten Nutzern getestet, um ein erstes Feedback einzuholen. Das Format wurde in der Vergangenheit weiterentwickelt und kann jetzt auch in 4 Tagen durchgeführt werden. Ob 4 oder 5 Tage, wichtig festzuhalten ist, dass die Durchführung eines Design Sprints meist preisgünstiger ist als alternative Methoden, die Zeit und Ressourcen intensiver sind.

Wofür eignen sich Design Sprints?

Wie eingangs angedeutet, eignen sich Design Sprints für eine weitreichende Fülle an Problemstellungen. Hier unten ist eine kleine Auswahl.

  • Entwicklung komplexer Softwareprodukte
  • Validierung von Geschäftsideen
  • Design von Nutzeroberflächen
  • Konzeptionierung und Design von Change und Transformationsinitiativen
  • Entwicklung von Hardwareprodukten
  • Aufsetzen von Vertriebsprojekten
  • Vorantreiben jeglicher Innovationsprojekte
Wann sollte man einen Design Sprint durchführen?

Wie wir nachher noch sehen werden, können auch Design Sprints recht zeitaufwendig sein. Daher eignet sich ein Sprint nicht für alle Problemstellungen. Die folgenden zwei Fragen sollten vorab beleuchtet werden:

  1. Gibt es eine hohe Unsicherheit?
    1. Der Nutzer hat das von der Firma identifizierte Problem nicht
    2. Der Nutzer hat kein Interesse an der Lösung
    3. Die Lösung ist ein hohes finanzielles und zeitliches Investment
    4. Die Lösung ist einem der Firma unbekanntem Umfeld
  2. Gibt es eine hohe Komplexität?
    1. Es gibt viele interne und externe Stakeholder
    2. Es gibt viele interne und externe Abhängigkeiten
Was passiert in einem Design Sprint?

Wie erwähnt gibt es den Design Sprint als 4 oder 5 Tagesvariante. Wir führen ihn in vier Tagen durch, und er sieht wie folgt aus.

Der 4-tägige Design Sprint im Überblick
  • Montag: Definieren des Problems
  • Dienstag: Entwickeln der Lösung
  • Mittwoch: Umsetzen der Lösung
  • Donnerstag: Testen der Lösung

Am Ende der Woche hat das Team etwas Greifbares entwickelt. Das kann ein Pitch-Deck sein, ein Video, eine mobile App oder sogar ein physischer Prototyp. Außerdem hat das Team bereits Feedback von der Zielgruppe bekommen. Dieses kann dann z.B. in einen weiteren Sprint (Iteration) einfließen, um das zukünftige Produkt oder die Dienstleistung weiter zu verfeinern – oder ganz zu verwerfen. In dem Falle hätten Sie eine Woche investiert, sich aber eventuell vor einer substantiellen Mehrinvestition geschützt.

Sie stehen vor einer komplexen Problemstellung?

  1. Bevor Sie mit irgendeiner Methode loslegen, sollten Sie das Problem gut definiert und vor allem dokumentiert haben.
  2. Wenn Sie die Fragen von oben hinsichtlich Komplexität und Unsicherheit mehrheitlich mit „ja“ beantwortet haben, gehen Sie an die Problemstellung mithilfe einer iterativen und nutzerzentrierten Vorgehensweise an.
  3. Im Werkzeugkasten des Design Thinking finden sich viele geeignete Formate, die man auch punktuell und mit relativ überschaubarem Aufwand einsetzen kann, um den Status Quo genauer zu beleuchten, um die Nutzerperspektive besser kennenzulernen und erste Ideen zur Problemlösung zu finden. Dies kann helfen, z.B. einen Design Sprint optimal vorzubereiten.
  4. Wenn die Problemstellung sehr umfangreich und risikobehaftet ist, sollten Sie einen Design Sprint ins Auge fassen, um innerhalb einer Woche eine sehr gute Idee davon zu bekommen, wie Sie diese am besten angehen können.

Design Sprints sind nicht einfach nur der letzte Schrei aus dem Silicon Valley. Sie sind ein erprobtes Format, das am Ende zu besseren Produkten und Dienstleistungen führen kann. Und welches Unternehmen möchte dies nicht erreichen?

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